Die Stabilität und anatomische Integrität des oberen Sprunggelenkes wird durch die Malleolengabel und den medialen und lateralen Kapselbandapparat aufrechterhalten. Das mediale Kollateralband (Deltoidband) ist einer der Hauptstabilisatoren des oberen Sprunggelenks. Eine begleitende Verletzung des Bandes, vor allem seiner tiefen Anteile, ist die Voraussetzung für eine laterale Subluxation und Außenrotation des Talus im oberen Sprunggelenk nach einer Fraktur des Außenknöchels. Die Instabilität mit „Giving way“ des oberen Sprunggelenkes und Beschwerden beim Gehen auf unebenem Untergrund sind oftmals auf Verletzungen des Deltoidbandes zurückzuführen. Des Weiteren können eine Valgusfehlstellung des Fußes und Dysfunktionen der Tibialis posterior Sehne durch Elongation bzw. Ruptur durch chronische Überbelastung resultieren. Die folglich unphysiologische Belastung der artikulierenden Gelenkanteile kann über die Schädigung des Gelenkknorpels zu einer frühzeitigen Arthrose des oberen Sprunggelenkes führen.
Alleinige Deltoidbandrupturen sind selten, da das Band aus vier kräftigen Anteilen besteht. Häufig sind sie aber eine unerkannte Komplikation bei Frakturen des oberen Sprunggelenkes. Eine begleitende Läsion des Deltoidbandes wird oftmals erst intraoperativ erkannt, da es keine eindeutigen klinischen Zeichen (Schwellung, Schmerz, Hämatom, etc.) gibt. Auch der derzeitige Goldstandard in der bildgebenden Diagnostik, die gehaltene Stressaufnahme, ermöglicht keine 100%ige diagnostische Sicherheit. Das Diagnostikum der Wahl wäre die MRT-Untersuchung, die sicher jede Bandruptur nachweisen kann. Aufgrund der Untersuchungsdauer und der hohen Kosten hat sich dies im klinischen Alltag jedoch nicht etablieren lassen und erscheint auch nicht sinnvoll. Präoperativ übersehene Deltoidband-verletzungen führen häufig zu chronischen Schmerzen im oberen Sprung-gelenk, zum einen durch die chronische Instabilität mit konsekutiver Fehl- und Überlastung einzelner Gelenkareale und des restlichen Kapselband-apparartes, zum anderen durch Impingement von Bandanteilen in den medialen Gelenkspalt oder durch Vernarbungen und Kalzifikationen.
In einer bisher nicht publizierten Pilotstudie unserer Abteilung konnte bereits gezeigt werden, dass die Sonographie eine zuverlässige Untersuchungs-methode zur qualitativen Beurteilung des medialen Bandapparates darstellt. Sie könnte somit eine sichere, schnelle und für den Patienten völlig ungefährliche Alternative in der präoperativen Diagnostik sein.
Ziel der aktuellen Untersuchung ist die Evaluation der Sonographie in der prä-operativen Diagnostik begleitender Deltoidbandverletzungen im Rahmen von Frakturen des oberen Sprunggelenkes (OSG) im Vergleich zur kernspintomo-graphischen Untersuchung und der gehaltenen Rö-Stressaufnahme. Anhand der gewonnenen Daten soll eine Aussage darüber getroffen werden, wie zuverlässig die Sonographie bei der Diagnose begleitender Läsionen des Deltoidbandes ist und ob deren routinemäßige Anwendung in der prä-operativen Diagnostik sinnvoll wäre.
Da es Hinweise darauf gibt, dass Patienten mit einer begleitenden Deltabandläsion ein schlechteres klinisches Outcome aufweisen, sollen in einem zweiten Teil der Untersuchung die Patienten 8-10 Monate nach stattgehabter osteosynthetischer Versorgung der OSG-Fraktur und gleichem Nach-behandlungsschema klinisch, mit Hilfe des Score nach Olerud et Molander und dem Biodex Stability System nachuntersucht werden. Ziel ist es, eventuelle Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne begleitender Deltabandruptur im klinischen und subjektiven Outcome zu identifizieren. Aufgrund der derzeit gängigen Praxis, das Deltaband neben der obligaten Rekonstruktion von Syndesmose und Fibula nur in Ausnahmefällen primär mit zu versorgen, könnte ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Patientengruppen Anstoß zu einer neuen Behandlungsstrategie sein.
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